Häufig gestellte Fragen (FAQ)

FAQ

1. Frage: Kann ich die Pflege meines Vaters selbst übernehmen?

Auf jeden Menschen kann die Aufgabe zukommen, die Pflege von Angehörigen zu übernehmen. Gründliche Information im Vorfeld ist der beste Weg, sich auf die Pflege vorzubereiten. Wer gut informiert ist, kann mit der veränderten Lebenssituation, die sich durch die Pflege ergibt, besser umgehen.

Die nötigen Handreichungen und Verrichtungen in der häuslichen Pflege werden Sie bald routiniert erledigen. Die Körperpflege als solche ist nicht immer das Problem. Die Belastungen durch die häusliche Pflege liegen zumeist nicht in einzelnen Teilaufgaben, sondern anderswo.

Viele pflegende Angehörige geraten durch die Pflege in eine ungewollte Isolation, da sie den stetigen Kontakt zu Freunden und Bekannten nicht mehr aufrecht erhalten können und psychisch ausgelaugt sind. Natürlich ist es auch für den Pflegebedürftigen nicht gut, wenn die Kräfte des Pflegenden bereits schnell aufgezehrt sind – niemand kann ohne Pause rund um die Uhr für jemand anderen da sein, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen. Deshalb gibt es Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige. Bedenken Sie: nur solange es Ihnen selbst gut geht, wird es auch Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen den Umständen entsprechend gut gehen. Wenn Sie sich überfordern und daraufhin durch konstante Überbelastung zusammenbrechen, hat der Pflegebedürftige nichts davon.

Sie sollten Entlastung von außen in Anspruch nehmen. Denn für die Pflegenden, die sich nicht frühzeitig helfen lassen, ist völlige Erschöpfung vorprogrammiert.

Als Pflegeperson brauchen Sie auch Zeit für sich. Sie sollten sich weiterhin mit Mitgliedern aus Ihrem Freundeskreis treffen, mit anderen Menschen austauschen und Ihren Hobbies nachgehen – dabei können die Energiereserven wieder aufgetankt werden.

Eine weitere Möglichkeit in diesem Sinne ist der Kontakt zu einem Gesprächskreis für Pflegende Angehörige. Dort finden Sie Gesprächspartner, die Ihre Situation verstehen. Sie werden feststellen, dass Sie mit den Sorgen und der Verzweiflung, die auf Sie zukommen können, nicht allein sind. Sie können über etwaige Schuldgefühle reden, wenn sie den Pflegebedürftigen zeitweilig in andere Hände geben und Sie können über den Schmerz und die Trauer reden, die durch das langsame Abschiednehmen von einem geliebten Menschen zu bewältigen sind. Die Persönlichkeitsveränderung eines Angehörigen miterleben zu müssen, gestaltet sich oft besonders schmerzhaft. Dies passiert zwangsläufig bei demenzerkrankten Pflegebedürftigen.

2. Frage: Wie lange kann meine Mutter in ihrer eigenen Wohnung bleiben?

Auch pflegebedürftige Menschen können allein leben. Bei leichterer Pflegebedürftigkeit kann Ihre Mutter in ihrer eigenen Wohnung weiterhin wohnen bleiben, solange sie dies möchte und ausreichend Kontakte innerhalb der Nachbarschaft oder der Familie vorhanden sind. Ein Ansprechpartner sollte jedoch in der Nähe sein, um in Notsituationen schnell helfen zu können.

Viele pflegebedürftige Menschen leben noch allein, teilweise auch ohne Angehörige in unmittelbarer Nähe zu haben. Diese Pflegebedürftigen lassen dann regelmäßig eine Haushaltshilfe und einen Pflegedienst kommen, erhalten ihr Essen über einen Mahlzeitendienst und können im Notfall auf ein Hausnotrufgerät zurückgreifen.

Über einen längeren Zeitraum ist ein solches Arrangement jedoch nur bei Pflegebedürftigen möglich, die nicht schwer an Demenz erkrankt sind. Außerdem sollten genügend soziale Kontakte vorhanden sein, damit der pflegebedürftige Mensch nicht vereinsamt. Sollte sich eine Demenzerkrankung verschlimmern, kann ein Pflegebedürftiger dann in der eigenen Wohnung bleiben, wenn er oder sie sich selbst oder andere nicht gefährdet.

Sinnvoll ist es jedoch, bereits bei den ersten Anzeichen einer Demenzerkrankung das Gespräch mit dem erkrankten Menschen zu suchen und Regelungen für den Fall zu treffen, dass dieser nicht mehr selbst und allein entscheiden kann. Solange Pflegebedürftige allein leben, kann Gefahren und Unfällen vorgebeugt werden, indem Geräte in die Wohnung eingebaut werden, die zum Beispiel den Elektroherd bei Überhitzung abschalten usw. Wohnberatungsstellen wissen über weitere technische Sicherheitsvorkehrungen Bescheid und können Rat und Auskunft geben.

Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, ab dem der Pflegebedürftige nicht mehr allein leben kann. Das ist dann der Fall, wenn dieser z.B. im Winter die Wohnung verlässt und sich selbst gefährdet, weil er oder sie nicht dem Wetter entsprechend gekleidet ist. Oder wenn der Hilfebedürftige aus dem Haus geht und nicht mehr allein zurückfindet. Spätestens dann müssen Sie über eine Veränderung der Lebenssituation Ihrer Mutter nachdenken. Wenn es Ihnen möglich ist, können Sie sie bei sich zuhause aufnehmen. Weitere Möglichkeiten sind die Umsiedlung in ein Heim oder der Umzug in eine Wohngemeinschaft für Demenzerkrankte. Letztere gibt es aber noch nicht in allen Orten.

3. Frage: Wer bezahlt die Pflege meines Onkels?

Pflegekosten werden innerhalb eines begrenzten Rahmens durch die Pflegeversicherung übernommen. Das gilt aber nur, sofern Ihr Onkel eine Pflegestufe zuerkannt bekommt. Kosten, die durch die Pflegeversicherung nicht gezahlt werden, müssen privat übernommen werden. Bei Pflegebedürftigen, die die notwendige Pflege aus privaten Mitteln nicht bestreiten können, springt unter bestimmten Bedingungen auch das Sozialamt ein (Hilfe zur Pflege). Eine festgelegte Einkommensgrenze und eine Vermögensschongrenze von 2.600,00 Euro (bei Ehepaaren 3.214,00 Euro) darf dann nicht überschritten werden.

Wird ein Pflegedienst mit der Pflege beauftragt, wird dieser die Pflege als sogenannte Sachleistung“ unmittelbar mit der Pflegekasse und gegebenenfalls mit dem Sozialamt abrechnen.

Wenn Sie die Pflege selbst übernehmen, erhält der Pflegebedürftige bei vorhandener Pflegeeinstufung durch die Pflegeversicherung ein monatliches Pflegegeld. Mit diesem Geld können die erhöhten Aufwendungen, die durch die Pflege entstehen, finanziert werden. Alternativ können Sie es als eine persönliche finanzielle Anerkennung ansehen.

Für alle, die nach dem Pflegeversicherungsgesetz als „pflegebedürftig“ eingestuft sind, gibt es einen Zuschuss zum Pflegeverbrauchsmaterial von bis zu 40,00 Euro monatlich. Unter Pflegeverbrauchsmaterial versteht man z.B. Einmalunterlagen für das Bett, Einmalhandschuhe, Schutzschürzen etc. Diese Materialien können nur bei Lieferanten bestellt werden, mit denen die Pflegekasse einen Vertrag abgeschlossen hat. Sie als Pflegeperson können darauf bestehen, dass die Pflegekasse ihnen den günstigsten Anbieter nennt.

4. Frage: Was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld, Pflegesachleistung oder Kombinationsleistung?

Das Pflegegeld dient zur Begleichung pflegebedingter Mehrkosten. Es wird Pflegebedürftigen gezahlt, damit diese pflegebedingte Mehrkosten finanziell auffangen können. Außerdem können Sie den Menschen, die Sie pflegen, eine materielle Anerkennung zukommen lassen. Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem Pflegegrad:

  • Pflegegrad 1: 0,- €
  • Pflegegrad 2: 316,- €
  • Pflegegrad 3: 545,- €
  • Pflegegrad 4: 728,- €
  • Pflegegrad 5: 901,- €

Die Leistungen der Pflegeversicherung werden seit 2014 dynamisch angepasst.

Pflegesachleistungen sind pflegerische Hilfen durch einen Pflegedienst. Bei Wahl der Pflegesachleistung entscheidet sich der Pflegebedürftige für pflegerische Hilfen durch einen Pflegedienst. Dieser rechnet seine Leistungen direkt mit der Pflegekasse ab. Der pauschale Betrag der Sachleistung reicht bei umfangreichem Pflegebedarf häufig nicht aus. Dann müssen die Pflegebedürftigen aus eigener Tasche zuzahlen. Bei finanzieller Bedürftigkeit sind ergänzende Leistungen durch das Sozialamt möglich.

Die Höhe der Pflegesachleistung:

  • Pflegegrad 1: 0,-€
  • Pflegegrad 2: 770,- €
  • Pflegegrad 3: 1.262,- €
  • Pflegegrad 4: 1.775,- €
  • Pflegegrad 5: 2005,- €

Die kombinierte Inanspruchnahme von Pflegegeld und Pflegesachleistung ist ebenfalls möglich. Bei dieser Kombinationsleistung werden Pflegegeld und Pflegesachleistung gleichzeitig bezogen. Wenn z. B. einmal pro Woche zum Baden ein Pflegedienst kommt, werden die Pflegesachleistungen in Höhe von 770 Euro (im Pflegegrad 2) nicht aufgezehrt. Verbraucht man für das wöchentliche Bad ca. 30% der Pflegesachleistung, also 231,00 Euro, so werden noch 70% des Pflegegeldes, also 221,20 Euro, auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen.

5. Frage: Ich pflege meine Mutter und bin berufstätig. Jetzt überlege ich den Beruf aufzugeben. Gibt es Alternativen dazu?

Wenn die Pflege Ihrer Mutter zunehmend zeitaufwendiger wird, werden Sie sich möglicherweise mit dem Gedanken auseinandersetzen, Ihren Beruf aufzugeben. Dabei bedenken pflegende Angehörige oft nicht, dass ihre Berufstätigkeit ihnen Abwechslung und Anregung außer Haus bietet. Sie sollten deshalb zunächst mit Ihrem Arbeitgeber sprechen, ob es möglich ist, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. Dies hilft, besser mit unvorhergesehenen Situationen zuhause umzugehen.

Sie können z.B. konkret fragen, ob Sie in der Mittagszeit bei Ihrer Mutter nach dem Rechten sehen können oder um einen Firmenparkplatz bitten, was Ihnen die zeitraubende Parkplatzsuche erspart, falls Sie zwischendurch mal schnell nach Hause müssen. Es ist ebenfalls möglich, die zu pflegende Person während Ihrer Arbeitszeiten in einer Tagespflege unterzubringen.

Mit dem neuen Pflegezeitgesetz haben Berufstätige mehr Möglichkeiten, kurzfristig auf unterschiedliche Pflegesituationen zu reagieren.

Zehn Tage kurzzeitige Freistellung! Wird ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig, muss schnell Hilfe organisiert werden. Zur Organisation einer akuten Pflegesituation stehen Beschäftigten im Rahmen der kurzzeitigen Freistellung von der Arbeit jährlich bis zu zehn (unbezahlte) freie Arbeitstage zu. Die Pflegekasse des Pflegebedürftigen zahlt seit dem 1.1.2015 das Pflegeunterstützungsgeld (ähnlich wie beim Kinderkrankengeld). Der Arbeitgeber muss unverzüglich informiert werden. In dieser Zeit einer kurzzeitigen Freistellung bleiben die berufstätigen pflegenden Angehörigen sozialversichert. Dieser Anspruch gilt für alle Betroffenen, unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten im Betrieb.

Bis zu sechs Monate Pflegezeit! Wenn die Pflege für einen längeren Zeitraum übernommen werden soll, können pflegende Angehörige sich für die Dauer von bis zu 6 Monaten von der Arbeit freistellen lassen, wenn der Betrieb mindestens 15 Beschäftigte hat. In dieser Zeit beziehen sie kein Gehalt, bleiben aber sozialversichert. Die Beitragszahlung zur Rentenversicherung wird von der Pflegekasse übernommen, wenn die Pflegeperson mindestens 10 Stunden wöchentlich verteilt auf mindestens 2 Tage pflegt. Der Kranken- und Pflegeversicherungsschutz wird über die Familienversicherung oder die freiwillige Weiterversicherung mit dem Mindestbeitrag der Krankenkasse sichergestellt. Die Krankenversicherung führt automatisch auch zur Absicherung in der Pflegeversicherung. Auf Antrag erstattet die Pflegeversicherung den Beitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung bis zur Höhe des Mindestbeitrages. Der Versicherungsschutz in der Arbeitslosenversicherung bleibt erhalten.

Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werden von der Pflegekasse übernommen. Sollten Pflegende sich für eine dauerhafte Reduzierung ihrer Arbeitszeit entscheiden, dürfen diese nicht vergessen, die Pflegekasse darüber zu informieren. Wenn pflegende Angehörige weniger als 30 Stunden berufstätig sind und jemanden als Hauptpflegeperson betreuen, sind sie rentenversicherungspflichtig. Dies kann in der Rentenversicherung einen kleinen Ausgleich für eine Einschränkung oder die Aufgabe der Berufstätigkeit schaffen.

Pflegezeit und Familienpflegezeit können seit dem 1.1.2015 miteinander kombiniert werden. Näheres dazu unter www.wege-zur-pflege.de.

Sollten Sie zu der Entscheidung gelangen, die Berufstätigkeit vollständig aufzugeben, müssen Sie sich vor der Kündigung Ihres Arbeitsplatzes unbedingt mit der Arbeitsagentur (früher: Arbeitsamt) in Verbindung setzen. Eine Beratung dazu, inwieweit Sie während und nach Beendigung der Pflege einen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 oder Arbeitslosengeld 2 haben, ist in jedem Fall sinnvoll. Auch kann die Kündigung des Arbeitsplatzes Auswirkungen auf die Krankenversicherung haben. Im ungünstigsten Fall müssen Krankenversicherungsbeiträge aus eigenen Mitteln getragen werden. Daher ist ein Beratungsgespräch im Vorfeld einer Kündigung wichtig. Für pflegende Angehörige wird in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Auch dazu bietet die Arbeitsagentur Auskunft.

6. Frage: Wer versorgt meine Oma, wenn ich selber krank werde?

Wenn Sie selbst krank werden sollten, zur Kur müssen oder dringend Urlaub benötigen, können Sie Leistungen für eine Verhinderungspflege (Ersatzpflege) erhalten. Die Pflegekasse zahlt für die Verhinderungspflege bis zu 1.612 Euro im Jahr für maximal vier Wochen. Wenn die Kurzzeitpflege nicht oder nur reduziert in Anspruch genommen wird, können 50% der Leistung zur Verhinderungspflege hinzugefügt werden. Das bedeutet dann einen Anspruch auf Verhinderungspflege für bis zu 6 Wochen in Höhe von 2.418 €, der jedoch nur in Betracht kommt, wenn bereits sechs Monate im Rahmen einer Pflegestufe gepflegt worden sind. Wird die Verhinderungspflege von engen Verwandten übernommen, können diese lediglich Fahrkostenersatz oder Verdienstausfall bis zu der oben genannten Summe von 1.612 Euro geltend machen. Es könnte auch der Pflegedienst häufiger kommen, vorausgesetzt der Pflegebedürftige kann noch stundenweise allein bleiben.

Werden noch keine sechs Monate gepflegt oder keine Ersatzpflegeperson gefunden, kann der Pflegebedürftige für die Zeit des Urlaubs auch in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung ziehen. In einer Kurzzeitpflegeeinrichtung werden Pflegebedürftige über eine begrenzte Zeit stationär betreut. Die Kosten der Kurzzeitpflege werden für maximal 4 Wochen mit bis zu 1.612 € übernommen. Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege können auch nebeneinander innerhalb eines Kalenderjahres beansprucht werden. Es kann sein, dass eine Sie im Frühsommer in den Urlaub fahren und Verhinderungspflege beanspruchen, dann aber im November erkranken und selbst ins Krankenhaus müssen. Der Pflegebedürftige könnte dann für diese Zeit in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung ziehen. Wenn die Verhinderungspflege nicht oder nur reduziert in Anspruch genommen wird, können bis zu 100% dieser Leistung zur Kurzzeitpflege hinzugefügt werden. Das würde dann einen Anspruch auf Kurzzeitpflege für bis zu 8 Wochen in Höhe von 3.224 € bedeuten.

Der Anspruch auf Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege entsteht jedes Kalenderjahr neu.

Viele Seniorenheime halten einige Kurzzeitpflegeplätze vor. Es gibt aber auch Einrichtungen, die sich ausschließlich auf die Kurzzeitpflege spezialisiert haben.

7. Frage: Was muss geschehen, wenn meine Mutter nicht mehr allein für sich entscheiden kann?

Wenn Ihre Mutter z.B. bedingt durch eine Demenzerkrankung, nicht mehr allein für sich entscheiden können, benötigt sie einen gesetzlichen Betreuer (früher: Vormund). Auf einen gesetzlichen Betreuer kann jedoch verzichtet werden, wenn die Betroffene im Vorfeld die wichtigsten Dinge geregelt hat. Zu diesen wichtigen Dingen gehören:

  • das Erteilen einer Kontovollmacht (muss bei der Bank oder Sparkasse auf banküblichen Formularen geregelt werden)
  • eine Vorsorgevollmacht (mit einer Vorsorgevollmacht können Betroffene Angehörige zu Handlungen in von ihr bestimmten Aufgabenbereichen bevollmächtigen)
  • eine Patientenverfügung (mit einer Patientenverfügung wird geregelt, welche medizinischen Behandlungen die Betroffenen in bestimmten Fällen erhalten wollen oder nicht erhalten wollen).

Ein Betreuer muss laut Gesetz nur eingesetzt werden, wenn er erforderlich ist. Dies ist in der Regel nicht mehr notwendig, wenn der Betroffene Vollmachten erteilt hat.

Auch für Sie kann es eine Erleichterung sein, wenn sie wissen, was Ihre Mutter in bestimmten Situationen gewollt hätte, würde sie noch selbst entscheiden können. Ein offenes und intimes Gespräch unter dem Motto „Was wäre, wenn…?” ist oft sehr hilfreich. Die Betroffene könnte z.B. festlegen, dass sie auf keinen Fall im Heim ein Doppelzimmer bewohnen möchte. Oder sie könnte sagen, dass sie keine künstliche Ernährung wünscht, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, selbstständig zu essen.

Die Betreuungsvereine in den Gemeinden beraten Sie zu diesem Thema. Beim Amtsgericht oder bei der Stadtverwaltung (Betreuungsstelle) sind die Adressen der Betreuungsvereinen erfragbar.

8. Frage: Wir überlegen, ob mein Vater langfristig in einem Pflegeheim besser aufgehoben ist. Das ist keine leichte Entscheidung. Was müssen wir bedenken?

Ein Umzug ins Heim wird in der Regel umso besser verkraftet, je besser er vorbereitet ist. Selbst wenn die Absicht besteht, den Pflegebedürftigen bis zu dessen Tod zuhause zu betreuen, sollte ein eventuell unvermeidbarer Einzug ins Heim mit ihm oder ihr vorher besprochen werden.

Sie können vorher nicht wissen, wie sich Ihre eigene Lebenssituation und die Unterstützungsbedürftigkeit des zu pflegenden Menschen entwickelt.

Nach Möglichkeit sollten Sie im Vorfeld auch Altenheime zusammen mit der zu pflegenden Person besuchen und sie danach fragen, ob es eine Gelegenheit zum Probewohnen gibt. Auch die Kurzzeitpflege ist eine gute Möglichkeit, eine Einrichtung kennenzulernen.Besprechen Sie mit den Betroffenen, welches Heim ihnen im Falle eines Falles am besten zusagen würde.

Die Kosten einer Pflegeeinrichtung können aus den Mitteln der Pflegeversicherung, aus dem Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen und in bestimmten Fällen in Nordrhein-Westfalen mit einem landesgesetzliches Pflegewohngeld bestritten werden.

9. Frage: Mein Mann wird bald sterben und möchte auf jeden Fall zuhause bleiben. Wie soll ich das schaffen?

Wir alle wissen, dass wir dem Tod nicht ausweichen können und doch denken wir nicht gerne darüber nach. Wenn wir aber diesen Gedanken zulassen, erleben wir viele unterschiedliche Gefühle. Nach einer längeren Zeit der Pflege möchten Sie auch die letzten Wochen, Tage und Stunden mit Ihrem Mann verbringen, ihm Trost und Liebe schenken und sich in Würde verabschieden können. Trotzdem kommen häufig Gefühle von Unsicherheit und Angst auf und Sie stellen sich Fragen wie „kann ich das zuhause schaffen?” oder werden mit dem Gedanken konfrontiert, dass Sie sich nicht vorstellen können, ohne die betroffene Person zu leben. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass der Tod von den pflegenden Angehörigen als eine Erlösung für den betroffenen Menschen und für sie selbst aufgefasst wird.

Auch wenn es Ihnen sehr schwer fällt, sollten Sie sich früh Gedanken über dieses Thema machen. Wenn möglich, versuchen Sie mit der zu pflegenden Person darüber zu sprechen, was ihr wichtig ist. Eine Vollmacht und besonders eine Patientenverfügung können später sehr hilfreich sein. Oft ist es gut, wenn diese Dinge auch mit dem Hausarzt besprochen werden.

Die intensiv geschulten Ehrenamtlichen der Hospizbewegung haben ein offenes Ohr für alle Fragen und können Sie bei der Sterbebegleitung zuhause unterstützen. Adressen und Telefonnummern befinden sich im Telefonbuch oder z.B. in der Tageszeitung.

Es kann jedoch auch die Situation eintreten, wo es zuhause nicht mehr geht. In diesem Fall kann die Aufnahme in ein stationäres Hospiz für alle Beteiligten sehr entlastend sein. Pflegende Angehörige sollten einmal ein Hospiz besucht haben, damit sie sich vorstellen können, wie es dort zugeht. Des weiteren bieten immer mehr Altenheime eine gute Sterbebegleitung an.

Wenn Ihr Mann zuhause verstorben ist, nehmen Sie sich Zeit für den Abschied. Ein Arzt, am besten der Hausarzt, muss verständigt werden und den Tod bescheinigen. Dann haben Sie bis zu 72 Stunden Zeit, bevor Ihr Mann von einem Bestatter abgeholt werden muss. In diesen Stunden können sich alle, denen es wichtig ist, am Bett in der gewohnten Umgebung verabschieden. Nach der Beerdigung werden Sie einige Zeit brauchen, um wieder ins Leben zu finden; Gespräche im Familien- und Freundeskreis helfen. Wenn Sie das Gefühl haben, gar nicht aus der Trauer herauszufinden, sollten Sie in Erwägung ziehen eine Trauergruppe aufzusuchen, da das Gespräch mit anderen Trauernden für die seelische Verarbeitung eines Verlustes sehr hilfreich ist.

10. Frage: Wo bekomme ich weitere Informationen rund um das Thema Pflege zuhause?

In allen Städten oder Kreisen in Nordrhein-Westfalen gibt es Pflegeberatungsstellen und auch Pflegestützpunkte. Hier können sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu Pflegefragen neutral beraten lassen.

Beim Besuch oder Anruf im Pflegestützpunkt wird gemeinsam geklärt werden können, was Pflegebedürftige und ihre Angehörigen brauchen. Anträge werden aufgenommen und an die zuständigen Institutionen weiterge­leitet. Auf Wunsch wird der Kontakt zu einem Pflegeberater der eigenen Pflegekasse hergestellt. Auch Hilfen durch die Wohnberatung werden vom Pflegestützpunkt aus in die Wege geleitet.