Hospiz und Palliative Care
Aktuelles

Lebensraum Hospiz – Letzte Hilfe Kurse

Der Lebensraum Hospiz bietet für alle interessierten Dortmunder Bürgerinnen und Bürger Letzte Hilfe Kurse an. Viele Menschen wünschen sich Zuhause in vertrauter Umgebung sterben zu können. Dies gelingt jedoch nur einem geringen Teil.


Liebe pflegende Angehörige und Menschen in palliativen Lebenssituationen,

wir freuen uns, Sie in der Rubrik „Hospizarbeit und Palliative Care“ begrüßen zu dürfen!

Vielleicht ist ein Ihnen nahestehender Mensch oder Sie selbst von schwerer Krankheit oder dem nahenden Tod betroffen und Sie rufen diese Seite auf, weil Sie Informationen rund um die palliative und hospizliche Begleitung und Pflege suchen.

Um Ihnen eine Übersicht über Hospizarbeit und das Palliative-Care Konzept zu geben, werden folgend die hospizlichen Begrifflichkeiten und einzelnen Bereiche erklärt und mögliche Hilfen aufgezeigt.

 

Definition der Begrifflichkeiten – Was bedeutet eigentlich…?
Hospizbewegung

Die moderne Hospizbewegung entstand Ende der 1960er Jahre in England mit dem Hauptziel, sterbenden Menschen und ihren An- und Zugehörigen ein würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen (hospitium = lat. Herberge). Die Begründerin dieser Bewegung war Cicely Saunders, die über ihre Arbeit sagte:

„Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

In Deutschland engagieren sich aktuell mehr als 100.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich in über 1100 Hospiz- und Palliativdiensten und -einrichtungen.

Ambulante Hospizdienste

Das Ziel ambulanter Hospizdienste ist die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen in ihrer gewohnten Umgebung sowie die Unterstützung und Entlastung der gesamten Familie, von Freunden und weiteren Bezugspersonen. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden der Hospizdienste leisten konkrete Hilfe, von der Einkaufshilfe bis zum intensiven Gespräch. Hospizdienste leisten auch Beratung zu wichtigen Fragen am Lebensende und bieten oft auch Begleitungsangebote für trauernde An- und Zugehörige an.

Damit ein ambulanter Hospizdienst seine Arbeit aufnehmen kann, bedarf es keiner ärztlichen Verordnung. Sie können sich direkt mit einem Dienst in Verbindung setzen. Zu einem ersten unverbindlichen Gespräch kommt die Koordinatorin oder der Koordinator des Dienstes zu Ihnen nach Hause.

Eine aktuelle Liste von Diensten und Einrichtungen der hospizlichen und palliativen Versorgung in Nordrhein-Westfalen finden Sie hier:

Stationäre Hospize

Stationäre Hospize sind kleine, eigenständige Einrichtungen mit wenigen Betten (in der Regel mit 8 bis max. 16). Hier werden schwerstkranke und sterbende Menschen von speziell ausgebildeten Fachkräften pflegerisch, psychosozial und seelsorgerisch begleitet. Je nach Absprache kommen der Hausarzt, die Hausärztin und/oder besonders qualifizierte Palliativärztinnen und -ärzte zur medizinischen Behandlung ins Hospiz.

Auch die Familienmitglieder erhalten die notwendige Begleitung und Unterstützung.

Die Aufnahme in ein stationäres Hospiz ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Versorgung zu Hause nicht möglich ist.

Kinderhospize

Kinderhospize sind speziell auf die Bedürfnisse lebensverkürzend erkrankter Kinder ausgerichtet.

Im Mittelpunkt der stationären Hospizversorgung steht der schwerstkranke Kind mit seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen und die seiner An- und Zugehörigen. Eine ganzheitliche Pflege und Versorgung wird durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizes in Zusammenarbeit mit palliativmedizinisch erfahrenen (Haus-)Ärztinnen und Ärzten gewährleistet.

Voraussetzung für die Aufnahme in einem Hospiz

Voraussetzung für die Aufnahme in einem Hospiz ist eine schwere, unheilbare und weit fortgeschrittene Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung. Folgende Voraussetzungen müssen für die Aufnahme in ein Hospiz erfüllt sein:

  • keine Möglichkeit der kurativen (auf Heilung ausgerichten) Therapie und
  • keine Möglichkeit zur häuslichen Pflege und Begleitung (z.B. durch ambulante Hospizdienste und spezialisierte Palliativpflegedienste) denn: generell gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“.
  • Bescheinigung durch den Arzt, der die Aufnahme des Menschen medizinisch begründet und bescheinigt.
Palliativ

Der Begriff „palliativ“ stammt vom lateinischen Wort „pallium“ = lat. der Mantel. Wie ein schützender Mantel umhüllt die Palliativversorgung Menschen, die an nicht heilbaren Krankheiten leiden und deren Lebenszeit verkürzt ist, sowie ihre An- und Zugehörigen.

Palliative-Care-Konzept

Palliative Care ist ein ganzheitliches Betreuungskonzept zur Begleitung schwerstkranker, sterbender Menschen und deren An- und Zugehörigen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellte 2002 eine Definition dafür:

“Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, Einschätzen und Behandeln von Schmerzen sowie anderer belastender Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.”

Das bedeutet: Palliative Care lindert Schmerzen und andere belastende Symptome, wie Übelkeit und Erbrechen, Atemnot, Lymphödeme, Juckreiz oder Unruhe. Um den Ressourcen und Problemen des sterbenden Menschen und seiner An- und Zugehörigen gerecht zu werden, wird in einem “interdisziplinären Team” gearbeitet. Das bedeutet, dass Ärzte, Pflegefachkräfte, Psychologen, Sozialarbeiter, Seelsorger, Pflegedienste, ehrenamtliche Hospiz-Mitarbeiter u. a. den sterbenden Menschen und seine An- und Zugehörigen begleiten und sich aus unterschiedlichen Perspektiven den individuellen Bedürfnissen annehmen.

Palliative Pflege beginnt dann, wenn Krankheitsverläufe- und Symptome nicht mehr ursächlich therapiert werden können. Ziel der Palliativen Pflege ist die Erhaltung bzw. die Wiederherstellung einer erträglichen, symptomfreien bzw. –symptomarmen Lebensqualität des sterbenden Menschen, dass er trotz seiner Krankheit am täglichen Leben teilhaben kann.

Palliativmedizin und Hospizidee stellen ein Gesamtkonzept dar, das sich aus folgenden Inhalten zusammensetzt:

  • optimale Schmerztherapie und Symptomkontrolle
  • Integration der psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der sterbenden Menschen, der An- Und Zugehörigen und des Behandlungsteams, sowohl in der Phase der Erkrankung als auch beim Sterben und in der Zeit danach
  • Kompetenz in wichtigen Fragen der Kommunikation und Ethik
  • Akzeptanz des Todes als Teil des Lebens. Durch eine eindeutige Bejahung des Lebens soll der Tod weder beschleunigt noch hinausgezögert werden. Palliativmedizin ist
  • eine eindeutige Absage an die aktive Sterbehilfe.

In der Palliativen Pflege sind alle Handlungen auf den Betroffenen zugeschnitten; was tut dem sterbenden Menschen gut, was möchte er, was ist für ihn aus pflegerischer Sicht hilfreich und unterstützend?

Palliative Pflege integriert psychische und spirituelle Aspekte, steht den An- und Zugehörigen bei der Verarbeitung seelischer und sozialer Probleme während des Krankheitsverlaufe bis zum Tod des sterbenden Menschen zur Seite.

Palliativstationen
Palliativstationen sind spezialisierte Abteilungen im Krankenhaus. Patientinnen und Patienten, deren Symptome und Beschwerden (z. B. Schmerzen) medizinisch, pflegerisch oder psychosozial eine sehr intensive Betreuung erfordern, werden hier durch speziell geschulte Fachkräfte pflegerisch umsorgt und ärztlich behandelt. Sie erhalten bei Bedarf auch psychologische und seelsorgerische Begleitung oder die Unterstützung z. B. durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten und andere Berufsgruppen. Auftrag und Behandlungsziel der Palliativstationen ist die bestmögliche Linderung der vielfältigen und nicht nur körperlichen Symptome.

 

Finanzierung und Gesetzliche Entwicklungen

Ambulante Hospizdienste: Für die Betroffenen sind die Leistungen der ambulanten Hospizdienste kostenfrei.

Hospiz: Die Kosten für den Aufenthalt im Hospiz werden von der gesetzlichen Krankenversicherung, der Pflegeversicherung und durch Spenden finanziert. Eine Regelung zur Finanzierung stationärer Hospize wurde im Jahr 1997 in das SGB V aufgenommen und zuletzt durch das Hospiz- und Palliativgesetz im Jahr 2015 (in Kraft getreten am 8.12.2015) überarbeitet. Danach werden die Kosten der stationären Hospizversorgung zu 95 Prozent von der jeweiligen Kranken- und Pflegekasse übernommen. 5 Prozent der Kosten werden durch das stationäre Hospiz bzw. den Träger durch Spenden erbracht. Patientinnen und Patienten sind seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2009 von einem Eigenanteil befreit (§39a Abs. 1 SGB V).

Spezialisierte ambulante Hospizversorgung (SAPV)

Mit Wirkung vom 1. April 2007 hat der Gesetzgeber als individuellen Leistungsanspruch die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung in das Sozialgesetzbuch V aufgenommen. Seitdem hat jeder Versicherte in Deutschland das Recht auf diese neue Versorgungsform, die zum Ziel hat, auch solchen Patientinnen und Patienten eine Versorgung und Betreuung zu Hause zu ermöglichen, die einen besonders aufwändigen Betreuungsbedarf haben (Stand 2016, Quelle: www.gbe-bund.de).

 

Entwicklung in Deutschland

Das erste stationäre Hospiz in Deutschland wurde 1986 in Aachen eröffnet. Die Anzahl der stationären Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung hat von 1996 bis Anfang April 2016 deutlich zugenommen. Waren 1996 nur 28 Palliativstationen und -einheiten sowie 30 stationäre Hospize für Erwachsene verzeichnet, hat sich die Anzahl bis Anfang April 2016 auf 304 Palliativstationen und -einheiten sowie 235 stationäre Hospize, einschließlich der stationären Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, mehr als verachtfacht. Die folgende Grafik verdeutlicht die steigende Anzahl in den letzten Jahren:

 

Zahlen, Daten, Fakten

In Deutschland gibt es (Stand 2016) rund

  • 1.500 ambulante Hospizdienste,
  • 236 stationäre Hospize [für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene], davon 65 allein in NRW (ALPHA Karte anzeigen)
  • 214 stationäre Erwachsenen-Hospize haben im Durchschnitt je ca. 10 Betten, d.h. es gibt ca. 2140 Hospizbetten, in denen pro Jahr ca. 30.000 Menschen begleitet werden.
  • mehr als 300 Palliativstationen in Krankenhäusern.
  • Es gibt ca. 300 Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung
    (SAPV, Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung).

Wie einleitend erwähnt, engagieren sich mehr als 100.000 Menschen in der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen. Diese sollen während ihrer letzten Lebensphase nicht auf die Geborgenheit und die Wärme einer vertrauensvollen Begleitung verzichten müssen. Wenn es ihr Wunsch ist, sollen sie soweit wie möglich in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld betreut und versorgt werden. Hierbei müssen die Fortschritte der Schmerztherapie und die Möglichkeiten der Linderung schwerer körperlicher Symptome allen schwerstkranken und sterbenden Menschen gleichermaßen zugute kommen.

 

Informationen und Schulungen
Zusatzausbildung Palliativmedizin für Ärzte

Seit 2014 müssen Medizinstudenten verbindliche Leistungsnachweise im Fach Schmerz- und Palliativmedizin erbringen. Zudem haben alle Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, eine Zusatz-Weiterbildung im Fach Palliativmedizin zu machen. Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte mit Zusatzausbildung Palliativmedizin ist von 100 im Jahr 2005 auf nahezu 10.000 im Jahr 2016 gestiegen (Stand 2016, Quelle: www.gbe-bund.de).

ALPHA

Ansprechstellen im Land NRW zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung. Mit zwei Geschäftsstellen in Bonn für das Rheinland und in Münster für Westfalen-Lippe leistet ALPHA Beratungs- und Informationsarbeit, vermittelt Beratungsangebote für Schwerstkranke, ihre Familien und ihnen nahestehende Menschen.

Hier eine Übersicht der Aktivitäten von ALPHA:

  • Vermittlung von Beratungsangeboten für Schwerstkranke, ihre Familien und ihnen nahestehende Menschen
  • Beratung von Einrichtungen und Diensten der Hospizarbeit und Palliativversorgung (Koordinatoren, Vorstände, Teams von Palliativeinheiten u.a.)
  • Beratung beim Aufbau neuer Initiativen der Hospizarbeit und Palliativversorgung
  • Beratung bei Aufbau und Vernetzung traditioneller und neuer Hilfsformen (ambulant und stationär)
  • Hilfen und Vermittlung bei der Entwickung von Fortbildungen
  • Vermittlung und Durchführung von Supervisionen
  • Vermittlung von Referentinnen und Referenten
  • Hinweise und Empfehlungen zu Fachliteratur und anderen Medien

Kontakt:

ALPHA-Rheinland, Heinrich Sauer Str. 15, 53111 Bonn,               Telefon 0228 746547, Telefax 0228 641841, rheinland@alpha-nrw.de

ALPHA-Westfalen, Friedrich-Ebert-Str. 157-159, 48153 Münster, Telefon 0251 230848, Telefax 0251 236576, alpha@muenster.de

Homepage ALPHA: www.alpha-nrw.de

Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V.

Kontakt: Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.,
Aachener Straße 5, 10713 Berlin, Tel. 030 – 82 00 75 80

HomepageDHPV: www.dhpv.de

Letzte Hilfe Kurse

Es scheint, dass sich viele Menschen die Betreuung eines sterbenden Angehörigen nicht zutrauen, weil ihnen das Grundlagenwissen zur Sterbebegleitung oder auch die Kenntnis über die vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfsangebote fehlen.

Diese Informationslücke soll durch “Letzte Hilfe Kurse“ geschlossen werden. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen wird der Austausch über Tod und Sterben in der Gruppe gefördert.

Die Teilnehmenden lernen Letzte Hilfe, also die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen am Lebensende.

Die vier Unterrichtsmodule werden an einem Abend bzw. Vormittag behandelt:

  1. Sterben ist ein Teil des Lebens
  2. Vorsorgen und Entscheiden
  3. Körperliche, psychische, soziale und existentielle Nöte
  4. Abschied nehmen vom Leben

Die Idee der Letzten Hilfe Kurse stammt von dem Palliativmediziner und Notarzt Dr. Georg Bollig aus Schleswig. Weitere Informationen und Presseartikel finden Sie im Internet unter www.letztehilfe.info

Leider können wir NICHT die Teilnahme an Letzte Hilfe Kursen in ganz Deutschland vermitteln. Infos zu aktuellen Letzte Hilfe Kursen gibt es in der Regel in Zeitungen und anderen Medien sowie bei den lokalen Veranstaltern und Hospizdiensten.

Letzte Hilfe – EIN AUSGEZEICHNETES PROJEKT

Das Projekt Letzte Hilfe Kurse hat 2015 den „Anerkennungs- und Förderpreis für ambulantePalliativversorgung“ der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin erhalten. Als Teilnehmer des bundesweiten Wettbwerbs “startsocial“ wurden Letzte Hilfe Kurse als eines der besten sozialen Projekte Deutschlands 2015 ausgezeichnet.