Fachtagung
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Wer Familienmitglieder pflegt, leistet wichtige aber auch extrem belastende Arbeit. Die Folgen sind oftmals körperliche und psychische Beschwerden bei den pflegenden Angehörigen selbst. Pflegende Angehörige sind hierbei oft stärker und anders belastet als Pflegeprofis. Hilfsangebote nehmen sie jedoch wenig in Anspruch. Die Unfallkasse NRW hat deshalb das Netzwerk „Neuheit für Pflege“ ins Leben gerufen. Es ist das erste Netzwerk in Deutschland, das sich speziell um die Gesundheit pflegender Angehöriger kümmert. Das Projekt sieht die Vernetzung, Nutzung und Erweiterung der für die Pflegebedürftigen entwickelten Strukturen und die Integration des Präventionsgedankens für nicht erwerbsmäßig Pflegende vor. Darüber hinaus soll die häusliche Pflege mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden.

Das Netzwerk war jetzt Thema einer Fachtagung in Dortmund bei der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegeberatungsstellen und Projektbeteiligte ihre Erfahrungen austauschten.

In Ihrem Grußwort stellte Staatssekretärin Marilis Bredehorst, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW, heraus, das Netzwerk sei ein Meilenstein für die Pflegelandschaft in Nordrhein-Westfalen. Es sei ein überzeugendes und vorbildliches Konzept.

Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW, plädierte dafür, die pflegenden Angehörigen in der Diskussion um die Pflege nicht zu vergessen.

Manfred Lieske, Mitglied der Geschäftsführung der Unfallkasse NRW, hob die Bedeutung des Themas für die Unfallkasse als zuständigen Unfallversicherungsträger hervor.

Professorin Dr. Angelika Zegelin, Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke, ging in ihrem ersten Vortrag auf das Vorgehen und die ersten Ergebnisse des Projektes ein.

Alexandra Daldrup, Referentin der Abteilung Gesundheitsdienst, Feuerwehr, Hilfeleistung und Ehrenamt bei der Unfallkasse NRW, gab einen Überblick über die Situation pflegender Angehöriger in Deutschland.

In mehreren Workshops diskutierten die Teilnehmer der Fachtagung die Produkte und Themen des Projektes und berieten Anregungen für neue Impulse.

Zum Abschluss betonte Alexandra Daldrup, das dass Projekt auf Nachhaltigkeit angelegt sei und das dies durch regelmäßige Treffen der Kooperationspartner und der Unfallkasse gesichert sei.

Ein weiteres nachhaltiges Produkt des Projektes ist das Forum der Internetseite „Neuheit für Pflege“.

Vortrag: Situation pflegender Angehöriger
Vortrag: Vorgehen und Erste Ergebnisse
Vortrag: Weitere Ergebnisse und Ausblick
Vortrag: Öffentlichkeitsarbeit

Fachtagung „Fokus pflegende Angehörige – Beim Pflegen gesund bleiben“

Am 06. November 2008 fand in Gelsenkirchen die Fachtagung „Fokus Pflegende Angehörige – Beim Pflegen gesund bleiben“ statt.

Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen hat mit dieser Veranstaltung eine Lanze für die pflegenden Angehörigen gebrochen. Die Gruppe der „Pflegenden Angehörigen“ von denen es in Nordrhein-Westfalen mehr als 500.000 gibt, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. „Diese große Zahl zeigt uns, wie wichtig es ist, unser Augenmerk auf diesen Personenkreis zu lenken und uns in Zukunft verstärkt um dieses Thema zu kümmern, gerade vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung“, so Gabriele Pappai, Mitglied der Geschäftsführung der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen.

„Wir haben mit dieser Fachtagung das Ziel verfolgt und auch erreicht, dass wir den Gesundheitsschutz für „Pflegende Angehörige“ und das Thema „Pflege“ in den Mittelpunkt unserer Diskussionen und Beiträge gestellt haben. Es hat sich darüber hinaus gezeigt, dass alle, die in diesem Bereich tätig sind, von den Netzwerken profitieren und auch lernen können“, berichtet Gabriele Pappai, die die Fachtagung eröffnete, weiter.

Dr. Hanneli Döhner vom Universitätsklinikum Hamburg berichtete über Ergebnisse der europäischen Vergleichsstudie EUROFAMCARE und über die Bildung des Vereins „Wir pflegen – Interessensvertretung begleitender Angerhöriger und Freunde in Deutschland“. Regierungsdirektor Knud van Büren vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen stellte in seinem Vortrag die seit dem 01. Juli geltenden Verbesserungen für pflegende Angehörige im Pflegeversicherungsgesetz in den Mittelpunkt. Über den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz für Pflegepersonen berichtete Frau Kirsten Heider von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen (UK NRW).

Die Vorträge am Nachmittag wurden durch Dr. Angelika Zegelin von der Universität Witten/Herdecke mit einem Bericht über das gemeinsam mit der UK NRW und anderen Kooperationspartnern geplante Projekt „Neuheit für Pflege“ eröffnet. Herr Thomas Butemann von der AOK Westfalen-Lippe berichtete über Präventionsangebote der Pflegekassen für pflegende Angehörige. Ergänzt wurde diese Darstellung durch den anschließenden Vortrag von Frau Silke Niewohner. Als Leiterin der Landesstelle Pflegende Angehörige berichtete sie über die Aufgaben dieser überparteilichen Anlaufstelle und weitere Angebote für pflegende Angehörige im Land NRW.

Die Präventionsangebote der Unfallkasse NRW wurden von Alexandra Daldrup (Unfallkasse NRW) zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung dargestellt. Sie machte deutlich, dass die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen zahlreiche Seminare und Lehrgänge vorhält, die für Berufsgruppen konzipiert sind, die mit pflegenden Angehörigen arbeitenden. Diese „Multiplikatorenseminare“ reichen vom „Gesundheitsschutz nicht erwerbsmäßig Pflegender“ und „Umgang mit Trauer und Angst pflegender Angehöriger“ bis hin zu Workshops, in denen über Unterstützungsmöglichkeiten und Wünsche der Teilnehmer diskutiert werden.

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Veranstaltung aus ambulanten Pflegeeinrichtungen, kommunalen Pflege- und Wohnberatungsstellen und vielen anderen Einrichtungen nutzten die Gelegenheit, mit den vortragenden Referentinnen und Referenten zu diskutieren. Die Diskussionen setzen sich in den Pausen fort. Gleichzeitig bestand für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit sich an Informationsständen der Landesstelle Pflegende Angehörige, der kommunalen Pflegeberatungsstelle PFAD der Stadt Gelsenkirchen und der AOK Westfalen-Lippe tiefergehend zu informieren. Die Firma Petermann bot darüber hinaus die Gelegenheit kleine (z. B. Gleithilfen, Rutschbetter) und technische Pflegehilfsmittel (z. B. Pflegebetten, Wannenlifter) auszuprobieren.

Insgesamt kann die Veranstaltung als Erfolg gewertet werden. „In der öffentlichen Wahrnehmung kommen „Pflegende Angehörige“ leider kaum vor und es ist vor der demografischen Entwicklung dringend Handlungsbedarf angezeigt“, so Pappai. „Kinder, die sehen, wie ihre Eltern bei der Pflege von Angehörigen unter dem Stress leiden und krank werden, werden sich in Zukunft sicher nicht gerne für die Pflege ihrer Angehörigen engagieren. Wenn sie allerdings sehen, dass bei der Pflege von Angehörigen Unterstützung und Hilfe vorhanden ist, dann wird sie dies positiv beeinflussen“, berichtete sie. Im Ergebnis hat die Fachtagung „Fokus Pflegende Angehörige – Beim Pflegen gesund bleiben“ erheblich dazu beitragen, die Situation pflegender Angehöriger mit all ihren belastenden aber auch bereichernden Seiten, in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.